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Antragstipps · 16.06.2026 · 9 min read

Open Science und Open Access in Horizon Europe

Pflichten und Best Practices für Open Access, Datenmanagement und Open-Science-Prinzipien.

Einleitung: Open Science als Grundprinzip in Horizon Europe

Open Science hat sich in Horizon Europe von einer optionalen Best Practice zu einer grundlegenden Anforderung entwickelt. Die Europäische Kommission verpflichtet alle Förderempfänger zu weitreichenden Maßnahmen im Bereich Open Access, Datenmanagement und offener Wissenschaft. Für deutsche KMU, mittelständische Unternehmen und Forschungseinrichtungen bedeutet dies: Wer EU-Förderung in Anspruch nehmen möchte, muss die Open-Science-Prinzipien nicht nur verstehen, sondern aktiv umsetzen.

Diese Anforderungen mögen zunächst als bürokratische Hürde erscheinen, bieten aber erhebliche Vorteile: verbesserte Sichtbarkeit der Forschungsergebnisse, größere Wirkung wissenschaftlicher Publikationen, vereinfachte Zusammenarbeit mit internationalen Partnern und nicht zuletzt eine höhere Erfolgsquote bei der Beantragung weiterer Fördermittel. Dieser Artikel erläutert die konkreten Pflichten und zeigt praxisnahe Wege zur Umsetzung auf.

Die Open-Science-Strategie der EU zielt darauf ab, Forschungsergebnisse schneller verfügbar zu machen, die Reproduzierbarkeit wissenschaftlicher Erkenntnisse zu verbessern und Innovation durch offenen Wissensaustausch zu beschleunigen. Für Unternehmen bedeutet dies auch neue Möglichkeiten, auf Forschungsdaten und wissenschaftliche Erkenntnisse zuzugreifen, die ihre eigene Produktentwicklung unterstützen können.

Open Access zu Publikationen: Pflichten und Umsetzung

In Horizon Europe gilt eine strikte Open-Access-Pflicht für alle wissenschaftlichen Publikationen, die aus geförderten Projekten hervorgehen. Diese Verpflichtung ist in der Grant Agreement verankert und betrifft peer-reviewte wissenschaftliche Artikel, Konferenzbeiträge und andere wissenschaftliche Veröffentlichungen.

Konkrete Anforderungen:

  • Alle wissenschaftlichen Publikationen müssen unmittelbar nach Veröffentlichung im Open Access verfügbar sein (kein Embargo mehr)
  • Publikationen müssen unter einer offenen Lizenz veröffentlicht werden, vorzugsweise CC BY (Creative Commons Attribution)
  • Artikel müssen in einem Open-Access-Journal oder über den "Green Open Access"-Weg in einem Repository hinterlegt werden
  • Die zugrungliegenden Forschungsdaten sollten ebenfalls zugänglich gemacht werden ("as open as possible, as closed as necessary")
  • Die EU-Förderung muss in allen Publikationen korrekt gekennzeichnet werden

Umsetzungsoptionen für Ihre Organisation:

Der Gold Open Access-Weg bedeutet die Veröffentlichung in einem vollständig frei zugänglichen Journal. Die anfallenden Article Processing Charges (APCs) können als förderfähige Kosten im Horizon-Europe-Projekt geltend gemacht werden. Planen Sie hierfür durchschnittlich 2.000 bis 3.000 Euro pro Artikel ein. Eine Liste qualitativ hochwertiger Open-Access-Journals finden Sie im Directory of Open Access Journals (DOAJ).

Der Green Open Access-Weg erlaubt die Veröffentlichung in traditionellen Journals, erfordert aber die parallele Hinterlegung der Autorenversion in einem institutionellen oder fachspezifischen Repository. Deutsche Forschungseinrichtungen können beispielsweise das institutionelle Repository ihrer Universität nutzen oder auf fachspezifische Repositories wie arXiv (Physik), bioRxiv (Biowissenschaften) oder Zenodo zurückgreifen. Zenodo ist besonders empfehlenswert, da es von der EU betrieben wird und direkt mit dem EU-Forschungsportal verknüpft ist.

Praxisbeispiel: Ein mittelständisches Biotech-Unternehmen aus München veröffentlicht die Ergebnisse eines Horizon-Europe-Projekts. Das Unternehmen wählt den Green-Open-Access-Weg: Der Artikel erscheint in einem renommierten Fachjournal, gleichzeitig wird die Autorenversion in Zenodo hochgeladen. Das Unternehmen versieht die Publikation mit relevanten Metadaten, einem Digital Object Identifier (DOI) und dem Projektkennzeichen der EU-Förderung. Die Kosten bleiben minimal, die Sichtbarkeit ist maximal.

Forschungsdatenmanagement und FAIR-Prinzipien

Das Management von Forschungsdaten ist ein Kernstück der Open-Science-Strategie. Alle Horizon-Europe-Projekte müssen einen Data Management Plan (DMP) erstellen und diesen während der Projektlaufzeit regelmäßig aktualisieren. Der DMP ist ein lebendiges Dokument, das die Handhabung der Forschungsdaten von der Erhebung bis zur langfristigen Archivierung beschreibt.

Die FAIR-Prinzipien:

Forschungsdaten sollen nach den FAIR-Prinzipien verwaltet werden:

  • Findable (Auffindbar): Daten müssen mit aussagekräftigen Metadaten versehen und in durchsuchbaren Repositories hinterlegt werden
  • Accessible (Zugänglich): Daten sollten über standardisierte Protokolle abrufbar sein, auch wenn Zugriffsbeschränkungen gelten
  • Interoperable (Interoperabel): Daten müssen in standardisierten Formaten vorliegen, die maschinell lesbar sind
  • Reusable (Wiederverwendbar): Daten sollten mit klaren Nutzungsbedingungen und ausreichender Dokumentation versehen sein

Erstellung eines Data Management Plans:

Die Europäische Kommission stellt mit Horizon Europe DMP ein Online-Tool zur Verfügung, das die Erstellung erleichtert. Ihr DMP sollte folgende Aspekte abdecken:

  • Welche Datentypen werden im Projekt erzeugt oder gesammelt?
  • Welche Methoden und Standards werden bei der Datenerhebung angewendet?
  • Wie werden Daten während des Projekts gespeichert und gesichert?
  • Welche Daten werden nach Projektende geteilt, welche nicht (und warum)?
  • Wo werden die Daten langfristig archiviert?
  • Wer hat welche Zugriffs- und Nutzungsrechte?
  • Welche Kosten entstehen für das Datenmanagement?

Der erste DMP muss innerhalb von sechs Monaten nach Projektbeginn eingereicht werden. Planen Sie Updates zu den wichtigsten Projektmeilensteinen ein.

Repositories für Forschungsdaten:

Für die langfristige Archivierung Ihrer Forschungsdaten stehen verschiedene Repositories zur Verfügung. Zenodo ist wieder eine ausgezeichnete Wahl, da es alle Datentypen akzeptiert, kostenlos ist und einen DOI für jede Hinterlegung vergibt. Fachspezifische Repositories wie die European Nucleotide Archive (ENA) für genomische Daten oder das Protein Data Bank Europe (PDBe) für Proteinstrukturen bieten zusätzliche fachliche Standards und bessere Auffindbarkeit in der jeweiligen Scientific Community.

Ausnahmen und Datenschutz:

Nicht alle Daten müssen oder dürfen veröffentlicht werden. Berechtigte Gründe für Einschränkungen sind: personenbezogene Daten (DSGVO-Konformität), geschäftskritische Informationen, Sicherheitsbedenken oder Rechte Dritter. Diese Ausnahmen müssen im DMP begründet werden. Das Prinzip lautet: "As open as possible, as closed as necessary".

Open Science in der Projektdurchführung

Open Science beschränkt sich nicht auf die Veröffentlichung von Ergebnissen, sondern durchzieht den gesamten Forschungsprozess. Horizon Europe fördert einen offenen Forschungsansatz, der bereits während der Projektlaufzeit Transparenz und Zusammenarbeit ermöglicht.

Wichtige Open-Science-Praktiken:

Präregistrierung von Studien: Besonders in klinischen und sozialwissenschaftlichen Projekten empfiehlt sich die Präregistrierung von Studiendesigns und Hypothesen in Plattformen wie ClinicalTrials.gov oder dem Open Science Framework. Dies erhöht die Glaubwürdigkeit der Forschung und verhindert selektives Berichten von Ergebnissen.

Offene Laborbücher: Digitale Laborbücher, die in Echtzeit Forschungsschritte dokumentieren, ermöglichen eine bessere Nachvollziehbarkeit und erleichtern die Zusammenarbeit im Konsortium. Tools wie protocols.io oder das Open Science Framework bieten entsprechende Funktionen.

Teilen von Forschungssoftware: Auch selbst entwickelte Software sollte unter einer Open-Source-Lizenz veröffentlicht werden. Plattformen wie GitHub oder GitLab in Kombination mit Zenodo ermöglichen eine dauerhafte Archivierung mit DOI. Wählen Sie eine geeignete Lizenz (z.B. MIT, Apache 2.0 oder GPL) und dokumentieren Sie die Software ausreichend.

Preprints und frühe Ergebnisverbreitung: Das Teilen von Preprints (nicht peer-reviewte Versionen) auf Plattformen wie arXiv oder bioRxiv ermöglicht schnelleren Wissenstransfer und kann wertvolles Feedback von der Scientific Community generieren, bevor die finale Publikation erfolgt.

Citizen Science und Stakeholder-Einbindung: Viele Horizon-Europe-Projekte beinhalten Elemente der Bürgerwissenschaft oder partizipative Forschungsansätze. Die Einbindung von Bürgerinnen und Bürgern, Endnutzern oder anderen Stakeholdern ist ebenfalls Teil der Open-Science-Philosophie und wird von den Evaluatoren positiv bewertet.

Praktisches Beispiel: Ein Konsortium aus deutschen und europäischen Partnern entwickelt im Rahmen eines Horizon-Europe-Projekts eine KI-gestützte Plattform für Klimadatenanalyse. Das Team veröffentlicht den Quellcode kontinuierlich auf GitHub, teilt Zwischenergebnisse als Preprints, organisiert Workshops mit Endnutzern und dokumentiert den Entwicklungsprozess in einem offenen Projektblog. Diese Transparenz führt zu frühzeitigem Interesse von Anwendern und zusätzlichen Kooperationsanfragen.

Verbindung zu anderen EU-Programmen

Die Open-Science-Anforderungen beschränken sich nicht auf Horizon Europe, sondern werden zunehmend auch in anderen EU-Förderprogrammen implementiert. Ein Verständnis dieser programmübergreifenden Anforderungen hilft Ihnen bei der strategischen Planung Ihrer Forschungs- und Innovationsaktivitäten.

Digital Europe Programme: Projekte im Bereich digitale Technologien und KI unterliegen ähnlichen Open-Access-Verpflichtungen. Besonders bei KI-Projekten wird Wert auf die Verfügbarkeit von Trainingsdaten und Algorithmen gelegt, soweit dies mit Datenschutz und Geschäftsgeheimnissen vereinbar ist. Das Programm fördert die Entwicklung europäischer Datenräume, die auf FAIR-Prinzipien basieren.

LIFE-Programm: Im Umwelt- und Klimabereich werden Projektergebnisse, Umweltdaten und Best Practices über die LIFE-Projektdatenbank geteilt. Umweltdaten sollten nach Möglichkeit über die Europäische Umweltagentur oder nationale Umweltdatenbanken zugänglich gemacht werden.

Connecting Europe Facility (CEF): Projekte im Bereich digitale Infrastruktur müssen technische Spezifikationen und Standards offen dokumentieren, um Interoperabilität zu gewährleisten.

European Innovation Council (EIC): Auch hochinnovative Start-ups und KMU, die EIC-Förderung erhalten, unterliegen Open-Access-Verpflichtungen für wissenschaftliche Publikationen. Bei technischen Entwicklungen wird jedoch Rücksicht auf Patentierungsstrategien genommen – hier gilt besonders das "as closed as necessary"-Prinzip.

Regionale Förderung und EFRE: Einige regionale Innovationsprogramme, die aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) finanziert werden, übernehmen zunehmend Open-Science-Elemente, insbesondere bei Projekten mit Forschungseinrichtungen.

Die konsequente Anwendung von Open-Science-Praktiken über verschiedene Projekte hinweg stärkt Ihr Profil als verlässlicher Partner in europäischen Forschungskollaborationen und erhöht Ihre Chancen auf Folgeförderung.

Rechtliche Aspekte und geistiges Eigentum

Eine der häufigsten Sorgen von Unternehmen im Zusammenhang mit Open Science betrifft den Schutz geistigen Eigentums. Es ist wichtig zu verstehen, dass Open Access und Patentschutz nicht zwangsläufig im Widerspruch stehen – aber sorgfältige Planung erforderlich ist.

Patentierung und Open Access:

Die Veröffentlichung einer wissenschaftlichen Publikation kann die Patentierbarkeit einer Erfindung beeinträchtigen, wenn sie die Erfindung vollständig offenlegt. In Europa gilt das Prinzip der absoluten Neuheit – jede öffentliche Offenbarung vor der Patentanmeldung kann schädlich sein. Planen Sie daher strategisch:

  • Identifizieren Sie patentierbare Erfindungen frühzeitig im Projekt
  • Reichen Sie Patentanmeldungen ein, bevor Sie Ergebnisse publizieren
  • Nutzen Sie Vertraulichkeitsvereinbarungen innerhalb des Konsortiums
  • Beschreiben Sie in wissenschaftlichen Publikationen die wissenschaftlichen Grundlagen, ohne technische Details preiszugeben, die für die Patentierung relevant sind
  • Koordinieren Sie Publikationstermine mit Ihrer Patentabteilung oder Ihrem IP-Berater

Konsortialverträge und IP-Regelungen:

In Horizon-Europe-Projekten regelt der Consortium Agreement die Rechte und Pflichten der Partner bezüglich geistigen Eigentums. Typische Regelungen umfassen:

  • Background IP: Wissen und Rechte, die Partner bereits vor Projektbeginn besitzen
  • Foreground IP: Im Projekt neu generiertes Wissen und Rechte
  • Access Rights: Rechte der Partner, die IP der anderen Partner zu nutzen
  • Vertraulichkeit: Verpflichtungen zur Geheimhaltung sensibler Informationen

Stellen Sie sicher, dass Ihr Konsortialvertrag klare Regelungen enthält, wann und wie Forschungsergebnisse veröffentlicht werden dürfen, und dass ein Überprüfungsprozess für geplante Publikationen etabliert wird.

Lizenzen für Open-Access-Publikationen:

Die EU bevorzugt die Creative-Commons-Lizenz CC BY, die die freie Nutzung, Verbreitung und Bearbeitung unter Nennung der Urheberschaft erlaubt. Für Unternehmen kann dies zunächst ungewohnt sein, ermöglicht aber maximale Verbreitung und Impact. Alternativ erlaubt die EU auch restriktivere Lizenzen wie CC BY-NC (keine kommerzielle Nutzung) oder CC BY-ND (keine Bearbeitungen), wenn dies begründet werden kann.

Software-Lizenzen:

Bei der Veröffentlichung von Software müssen Sie eine geeignete Open-Source-Lizenz wählen. Permissive Lizenzen wie MIT oder Apache 2.0 erlauben auch kommerzielle Nutzung und Integration in proprietäre Software. Copyleft-Lizenzen wie GPL verlangen, dass abgeleitete Werke ebenfalls unter derselben Lizenz veröffentlicht werden. Die Wahl sollte zu Ihrer Geschäftsstrategie passen.

Datenschutz und DSGVO:

Bei Forschungsprojekten mit personenbezogenen Daten sind die Anforderungen der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) vorrangig. Anonymisierung, Pseudonymisierung und restriktive Zugangsrechte sind legitime Mittel, um Datenschutz und Open Science in Einklang zu bringen. Ihr Data Management Plan sollte detailliert beschreiben, wie Sie mit personenbezogenen Daten umgehen.

Praktische Implementierung: Tools und Ressourcen

Die erfolgreiche Umsetzung von Open-Science-Praktiken erfordert die richtigen Werkzeuge und Kenntnisse. Hier finden Sie eine Übersicht empfohlener Ressourcen für deutsche Organisationen.

Repositorien und Infrastrukturen:

  • Zenodo: Universelles Repository für Publikationen, Daten, Software und mehr – kostenlos, EU-finanziert, mit DOI-Vergabe
  • OpenAIRE: Europäisches Netzwerk mit Such- und Monitoringfunktionen für Open-Access-Inhalte
  • Re3data: Verzeichnis von Forschungsdaten-Repositorien mit Suchfunktion nach Fachgebiet
  • GitHub/GitLab: Versionskontrolle und Kollaboration für Softwareprojekte
  • Open Science Framework (OSF): Plattform für Präregistrierung, Kollaboration und Datenmanagement

Tools für Datenmanagement:

  • DMPonline / RDMO: Tools zur Erstellung von Data Management Plans (RDMO ist die deutsche Variante)
  • ORCID: Persistente Identifikatoren für Forschende – wichtig für eindeutige Zuordnung von Publikationen
  • Electronic Lab Notebooks: Tools wie LabFolder oder eLabFTW für digitale Labordokumentation

Beratung und Unterstützung in Deutschland:

  • Nationale Kontaktstellen (NKS): Die deutschen NKS für Horizon Europe bieten kostenlose Beratung zu allen Aspekten der EU-Förderung, einschließlich Open Science
  • Universitätsbibliotheken: Viele Hochschulbibliotheken haben Open-Access-Beauftragte, die auch externe Partner beraten
  • Forschungsdatenzentren: Fachspezifische Zentren bieten Beratung und Infrastruktur für Datenmanagement
  • Helmholtz Open Science: Die Helmholtz-Gemeinschaft bietet umfangreiche Ressourcen und Schulungen
  • ZBW und TIB: Deutsche Nationalbibliotheken mit Expertise in Forschungsdaten und Open Science

Schulungen und Weiterbildung:

Investieren Sie in die Schulung Ihrer Mitarbeitenden. Viele Organisationen bieten kostenlose Online-Kurse an:

  • FOSTER Plus: E-Learning-Plattform zu Open Science (auf Englisch)
  • OpenAIRE Webinare: Regelmäßige Online-Schulungen zu verschiedenen Aspekten
  • Carpentries Workshops: Praktische Workshops zu Software-Skills für Forschende

Kostenplanung:

Planen Sie in Ihrem Projektbudget Mittel für Open-Science-Aktivitäten ein:

  • Article Processing Charges (APCs): 2.000-3.000 Euro pro Artikel
  • Datenaufbereitung und -kuration: Personalzeit für FAIR-konforme Datendokumentation
  • Langzeitarchivierung: Manche Repositories erheben Gebühren für große Datenmengen
  • Schulungen: Budget für Weiterbildung des Teams
  • Software-Entwicklung: Zusätzlicher Aufwand für Dokumentation und Lizenzierung

Die gute Nachricht: Alle diese Kosten sind im Rahmen von Horizon Europe förderfähig und können als direkte Projektkosten geltend gemacht werden.

Fazit: Open Science als strategischer Vorteil

Open Science mag zunächst als zusätzliche Anforderung erscheinen, bietet aber erhebliche strategische Vorteile für deutsche Organisationen. Die erhöhte Sichtbarkeit Ihrer Forschung, verbesserte Kooperationsmöglichkeiten und der Zugang zu einem größeren Pool an Wissen und Daten können Ihre Innovationskraft deutlich stärken.

Die Umsetzung der Open-Science-Prinzipien erfordert eine Kulturveränderung in Ihrer Organisation – vom traditionellen "Wissen ist Macht"-Ansatz hin zu einem kollaborativen "Wissen teilen schafft mehr Wissen"-Modell. Diese Transformation gelingt am besten schrittweise, beginnend mit der konsequenten Einhaltung der Mindestanforderungen und dem sukzessiven Ausbau der Open-Science-Praktiken.

Beginnen Sie frühzeitig mit der Planung: Bereits in der Antragsphase sollten Sie Open-Science-Aspekte berücksichtigen und realistische Ressourcen einplanen. Ein gut durchdachter Ansatz zu Open Science kann sogar ein Alleinstellungsmerkmal Ihres Antrags sein und die Bewertung positiv beeinflussen.

Die Europäische Kommission entwickelt die Open-Science-Politik kontinuierlich weiter. Bleiben Sie informiert über neue Entwicklungen, Richtlinien und Best Practices. Die Investition in Open-Science-Kompetenzen zahlt sich nicht nur für einzelne Projekte aus, sondern stärkt die langfristige Wettbewerbsfähigkeit Ihrer Organisation im europäischen Forschungs- und Innovationsraum.

Nutzen Sie die verfügbaren Beratungs- und Unterstützungsangebote. Sie müssen das Rad nicht neu erfinden – viele Organisationen haben bereits erfolgreiche Strategien entwickelt, von denen Sie lernen können. Open Science ist eine Gemeinschaftsaufgabe, und die europäische Forschungs-Community steht bereit, Sie auf diesem Weg zu unterstützen.

Checkliste: Open Science in Ihrem Horizon-Europe-Projekt

Vor Projektbeginn:

  • Open-Science-Strategie in der Projektplanung verankern
  • Budget für Open-Access-Publikationen und Datenmanagement einplanen
  • Konsortialvertrag mit klaren IP- und Publikationsregelungen abschließen
  • Verantwortlichkeiten für Datenmanagement zuweisen

In den ersten sechs Monaten:

  • Data Management Plan erstellen und einreichen
  • Repositories für Publikationen und Daten identifizieren
  • ORCID-IDs für alle Projektmitarbeitenden einrichten
  • Team in Open-Science-Praktiken schulen

Während der Projektlaufzeit:

  • Forschungsdaten kontinuierlich FAIR-konform dokumentieren
  • Data Management Plan bei Bedarf aktualisieren
  • Publikationen mit korrekter EU-Förderkennung versehen
  • Software mit geeigneten Open-Source-Lizenzen veröffentlichen
  • Patentanmeldungen vor Veröffentlichungen koordinieren

Bei Publikationen:

  • Open-Access-Publikation sicherstellen (Gold oder Green)
  • Geeignete Creative-Commons-Lizenz wählen (vorzugsweise CC BY)
  • Zugrundeliegende Daten nach Möglichkeit teilen
  • Publikationen in OpenAIRE und Zenodo registrieren

Zum Projektende:

  • Alle Forschungsdaten in geeigneten Repositories archivieren
  • Finalen Data Management Plan einreichen
  • Software-Code und Dokumentation vollständig veröffentlichen
  • Abschlussbericht mit Übersicht aller Open-Access-Aktivitäten versehen

Kontinuierlich:

  • Neue Entwicklungen in der EU-Open-Science-Politik verfolgen
  • Best Practices mit Partnern und der Community teilen
  • Open-Science-Kompetenzen im Team ausbauen
  • Erfolge und Impact der offenen Forschung dokumentieren
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