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FundScout.eu CIVIC INDEX · v1.0 · 27.10.2026
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Antragstipps · 31.03.2026 · 9 min read

EU-Förderantrag stellen: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Vollständige Anleitung vom ersten Förderprogramm-Check bis zur Einreichung. Zielgruppe: Einsteiger.

Einleitung: Der Weg zum erfolgreichen EU-Förderantrag

Die Europäische Union stellt jährlich Milliarden Euro für Unternehmen, Forschungseinrichtungen und andere Organisationen bereit. Doch der Weg zur erfolgreichen EU-Förderung kann für Einsteiger zunächst komplex erscheinen. Diese Schritt-für-Schritt-Anleitung führt Sie systematisch durch den gesamten Prozess – vom ersten Check verfügbarer Förderprogramme bis zur finalen Einreichung Ihres Antrags.

Ein EU-Förderantrag unterscheidet sich in mehreren Punkten von nationalen Förderprogrammen: Die Anträge sind in der Regel umfangreicher, die Anforderungen höher und die Wettbewerbsintensität größer. Gleichzeitig bieten EU-Programme jedoch oft attraktivere Fördersummen, internationale Vernetzungsmöglichkeiten und Zugang zu europäischen Märkten. Mit der richtigen Vorbereitung und einem strukturierten Vorgehen erhöhen Sie Ihre Erfolgschancen erheblich.

Schritt 1: Das passende Förderprogramm identifizieren

Der erste und vielleicht wichtigste Schritt ist die Identifikation des richtigen Förderprogramms für Ihr Vorhaben. Die EU bietet eine Vielzahl von Programmen für unterschiedliche Themenfelder und Zielgruppen an.

Die wichtigsten EU-Förderprogramme im Überblick:

  • Horizon Europe: Mit einem Budget von 95,5 Milliarden Euro ist dies das größte Forschungs- und Innovationsprogramm der EU (2021-2027). Es richtet sich an Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen, die an der Spitze wissenschaftlicher und technologischer Entwicklungen arbeiten. Besonders relevant für KMU sind die EIC-Förderlinien (European Innovation Council) sowie die Cluster-Programme zu Themen wie Gesundheit, Digitales, Klima oder Mobilität.
  • Digital Europe Programme: Dieses Programm fokussiert sich auf digitale Transformation, künstliche Intelligenz, Cybersicherheit, Hochleistungsrechnen und digitale Kompetenzen. Mit einem Budget von 7,5 Milliarden Euro ist es ideal für Unternehmen, die digitale Lösungen entwickeln oder implementieren möchten.
  • LIFE-Programm: Das Umwelt- und Klimaschutzprogramm der EU (5,4 Milliarden Euro für 2021-2027) unterstützt Projekte in den Bereichen Natur, Biodiversität, Kreislaufwirtschaft und Klimaschutz. Besonders interessant für Unternehmen mit nachhaltigen Geschäftsmodellen.
  • InvestEU: Bietet Garantien und finanzielle Instrumente für Investitionsprojekte in Bereichen wie nachhaltige Infrastruktur, Forschung und Innovation sowie KMU-Finanzierung.
  • Single Market Programme: Unterstützt KMU bei der Internationalisierung, Standardisierung und dem Zugang zum europäischen Binnenmarkt.

Bei der Programmauswahl sollten Sie folgende Fragen beantworten:

  • Passt mein Projekt thematisch zum Förderprogramm und zu den aktuellen Prioritäten?
  • Erfülle ich die formalen Voraussetzungen (Rechtsform, Sitz, Größe)?
  • Ist mein Projekt reif genug (Technologie-Reifegrad)?
  • Kann ich die geforderte transnationale Zusammenarbeit leisten?
  • Verfüge ich über die notwendigen personellen und finanziellen Ressourcen?

Praktischer Tipp: Nutzen Sie das Funding & Tenders Portal der EU-Kommission als zentrale Anlaufstelle. Hier finden Sie alle aktuellen Ausschreibungen mit detaillierten Informationen zu Fristen, Anforderungen und Budgets. Die Plattform bietet auch eine Suchfunktion nach Themen, Programmtypen und Fristen sowie KI-gestützte Empfehlungen.

Schritt 2: Projektidee entwickeln und Partner finden

Sobald Sie ein passendes Förderprogramm identifiziert haben, geht es an die Konkretisierung Ihrer Projektidee und – in den meisten Fällen – die Suche nach geeigneten Projektpartnern.

Anforderungen an eine überzeugende Projektidee:

  • Europäischer Mehrwert: Ihre Projektidee muss deutlich machen, warum eine EU-Förderung sinnvoll ist und welchen Mehrwert das Projekt für Europa schafft. Eine rein nationale Relevanz reicht nicht aus.
  • Innovation und Exzellenz: EU-Projekte sollten über den aktuellen Stand der Technik hinausgehen und einen klaren Innovationssprung darstellen.
  • Impact und Verwertung: Die EU legt großen Wert darauf, dass Projektergebnisse tatsächlich genutzt werden und Wirkung entfalten – sei es wirtschaftlich, gesellschaftlich oder wissenschaftlich.
  • Nachhaltigkeit: Die Berücksichtigung ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit ist in allen Projekten essentiell und wird zunehmend auch in der Evaluierung gewichtet.
  • Open Science und Open Innovation: Die EU fördert offenen Zugang zu Forschungsdaten und -ergebnissen (FAIR-Prinzipien) sowie partizipative Ansätze.

Partnersuche strategisch angehen:

Die meisten EU-Förderprogramme erfordern ein transnationales Konsortium mit Partnern aus mindestens drei verschiedenen EU-Mitgliedstaaten oder assoziierten Ländern. Die Zusammensetzung Ihres Konsortiums ist entscheidend für den Erfolg:

  • Komplementäre Kompetenzen: Jeder Partner sollte spezifische Expertise einbringen, die für das Projekt essenziell ist.
  • Ausgewogene Rollen: Verteilen Sie Verantwortlichkeiten klar und achten Sie auf eine faire Budgetverteilung.
  • Erfahrung mit EU-Projekten: Mindestens ein Partner sollte bereits EU-Projekterfahrung mitbringen.
  • Glaubwürdigkeit: Partner sollten Referenzen und Track Record im relevanten Themenfeld vorweisen können.
  • Diversität: Achten Sie auf geografische, institutionelle und personelle Vielfalt im Konsortium.

Für die Partnersuche können Sie verschiedene Kanäle nutzen: Das Funding & Tenders Portal bietet eine Partner-Suchfunktion, spezialisierte Netzwerke wie Enterprise Europe Network unterstützen bei der Vermittlung, und Brokerage-Events zu spezifischen Ausschreibungen bringen potenzielle Partner zusammen.

Beispiel: Ein mittelständisches Unternehmen aus der Medizintechnik möchte ein KI-basiertes Diagnosesystem entwickeln. Für ein Horizon Europe Projekt sucht es Partner aus Universitäten (für KI-Forschung), Krankenhäuser (für klinische Validierung) und weitere KMU (für Softwareentwicklung) aus verschiedenen EU-Ländern.

Schritt 3: Den Antrag vorbereiten und strukturieren

Die Antragsvorbereitung ist die arbeitsintensivste Phase. Je nach Programm müssen Sie mit einem Zeitaufwand von mehreren Wochen bis Monaten rechnen. Eine gründliche Vorbereitung zahlt sich jedoch aus.

Kernbestandteile eines EU-Förderantrags:

  • Teil A – Administrative Informationen: Hier werden grundlegende Angaben zu allen Partnern erfasst (Rechtsform, Kontaktdaten, Finanzdaten). Diese Informationen werden elektronisch über das Funding & Tenders Portal eingegeben.
  • Teil B – Inhaltlicher Antrag: Dies ist das Herzstück Ihres Antrags. Je nach Programm umfasst dieser Teil 30 bis 70 Seiten und gliedert sich typischerweise in drei Hauptabschnitte:

1. Excellence (Exzellenz):

  • Darstellung der Projektziele und deren Relevanz für das Förderprogramm
  • Beschreibung des Stands der Technik und der geplanten Innovation
  • Methodik und Konzept des Projekts
  • Ambition und erwarteter wissenschaftlich-technischer Durchbruch

2. Impact (Wirkung):

  • Erwartete Projektergebnisse und deren Nutzen
  • Verwertungsstrategie für wissenschaftliche und wirtschaftliche Ergebnisse
  • Kommunikations- und Verbreitungsplan
  • Beitrag zu europäischen Politikzielen (Green Deal, digitale Transformation, Resilienz)
  • Messung und Monitoring der Wirkung (Key Performance Indicators)

3. Implementation (Umsetzung):

  • Detaillierter Arbeitsplan mit Arbeitspaketen, Meilensteinen und Lieferobjekten
  • Konsortiumszusammensetzung und Qualifikation der Partner
  • Ressourcenplanung und Budget
  • Risikomanagement
  • Projektmanagement-Struktur
  • Datenmanagement und Open Science Ansatz

Wichtige formale Anforderungen beachten:

  • Strikte Seitenlimits (werden rigoros eingehalten – überschüssige Seiten werden nicht bewertet)
  • Vorgegebene Dokumentvorlagen verwenden
  • Spezifische Schriftgrößen und Formatierungen einhalten
  • Alle geforderten Anhänge beifügen (CVs, Empfehlungsschreiben, Absichtserklärungen, etc.)
  • Barrierefreiheit der eingereichten Dokumente beachten

Schreibtipps für überzeugende Anträge:

  • Schreiben Sie klar und verständlich – vermeiden Sie Fachjargon wo möglich
  • Nutzen Sie Visualisierungen (Grafiken, Diagramme, Tabellen) für komplexe Zusammenhänge
  • Beantworten Sie die Evaluierungskriterien explizit und strukturiert
  • Seien Sie realistisch und ehrlich – Gutachter erkennen Übertreibungen
  • Belegen Sie Aussagen mit Referenzen, Daten und Fakten
  • Achten Sie auf eine konsistente Logik durch alle Abschnitte hinweg

Praktischer Tipp: Beginnen Sie frühzeitig mit dem Schreiben und planen Sie mehrere Überarbeitungsschleifen ein. Lassen Sie den Antrag von Personen lesen, die nicht am Projekt beteiligt sind – sie erkennen Unklarheiten oft besser als die Verfasser selbst.

Schritt 4: Budget kalkulieren und rechtliche Aspekte klären

Die Budgetplanung ist ein kritischer Aspekt Ihres Antrags. EU-Förderprogramme haben spezifische Regeln zu förderfähigen Kosten, Fördersätzen und Abrechnungsmodalitäten.

Grundlagen der EU-Budgetierung:

  • Fördersätze: Die EU übernimmt typischerweise nicht 100% der Kosten. In Horizon Europe beträgt die Förderquote für Forschungs- und Innovationsmaßnahmen (RIA) in der Regel 100%, für Innovationsmaßnahmen (IA) 70% (KMU können unter bestimmten Bedingungen höhere Sätze erhalten). In anderen Programmen wie LIFE können die Sätze zwischen 60-75% liegen.
  • Förderfähige Kosten: Grundsätzlich förderfähig sind direkte Kosten (Personal, Subcontracting, Reisen, Equipment, Verbrauchsmaterial, etc.) und indirekte Kosten (Overhead, meist pauschal mit 25% der direkten Kosten).
  • Budgetkategorien: EU-Anträge verwenden standardisierte Kostenkategorien, die exakt ausgefüllt werden müssen.
  • Vereinfachte Kostenoptionen: Zunehmend werden Pauschalbeträge (Lump Sum Grants) angeboten, die die Abrechnung erheblich vereinfachen.

Häufige Budgetfehler vermeiden:

  • Unrealistisch niedrige Personalkosten (nutzen Sie reale Gehälter inkl. Lohnnebenkosten)
  • Vergessen von notwendigen Kosten (z.B. für Projektmanagement, Dissemination, Ethics Board)
  • Unausgewogene Budgetverteilung zwischen Partnern ohne klare Begründung
  • Nicht-förderfähige Kosten einplanen (z.B. in Horizon Europe: Mehrwertsteuer wenn erstattungsfähig, Infrastrukturkosten, nicht abschreibungsfähige Güter)

Rechtliche und administrative Aspekte:

Vor der Antragstellung sollten Sie folgende rechtliche Aspekte mit allen Partnern klären:

  • Konsortialvertrag (Consortium Agreement): Regelt die Zusammenarbeit zwischen den Partnern, Eigentumsrechte an Projektergebnissen, Vertraulichkeit und Konfliktlösung. Programme verlangen den Abschluss eines solchen Vertrags meist innerhalb der ersten Monate nach Projektstart.
  • Grant Agreement: Der Fördervertrag zwischen der EU-Kommission und den Begünstigten. Dieses standardisierte Dokument regelt alle rechtlichen und finanziellen Verpflichtungen.
  • Intellectual Property Rights: Klären Sie frühzeitig, wem welche Projektergebnisse gehören und wie diese genutzt werden dürfen. Die EU verlangt in der Regel, dass Ergebnisse maximal verbreitet werden (Open Access), wobei berechtigte Geschäftsinteressen geschützt werden können.
  • Ethics, Datenschutz und Sicherheit: Projekte mit ethischen Implikationen (z.B. bei Humanstudien, Tierversuchen, personenbezogenen Daten) benötigen Genehmigungen von Ethics Boards und müssen DSGVO-konform sein. Zunehmend wird auch die Einhaltung von Sicherheitsstandards geprüft.

Beispiel: Ein Horizon Europe Projekt mit einem Gesamtbudget von 3 Millionen Euro über 36 Monate könnte sich wie folgt zusammensetzen: 60% Personalkosten (1,8 Mio.), 15% für Equipment und Verbrauchsmaterial (450.000 €), 10% für Subcontracting (300.000 €), 5% für Reisen und Konferenzen (150.000 €), 5% für Dissemination (150.000 €), 5% für Projektmanagement (150.000 €). Hinzu kommen 25% indirekte Kosten auf die direkten Kosten (außer Subcontracting).

Schritt 5: Qualitätskontrolle und Einreichung

Nachdem der Antrag vollständig ausgearbeitet ist, folgt die finale Phase: Qualitätskontrolle und die technische Einreichung über das Funding & Tenders Portal.

Interne Qualitätsprüfung durchführen:

  • Vollständigkeitsprüfung: Sind alle geforderten Abschnitte ausgefüllt? Sind alle Pflichtanhänge vorhanden?
  • Konsistenzprüfung: Stimmen die Informationen in verschiedenen Abschnitten überein (z.B. Budget und Arbeitsplan)?
  • Evaluierungskriterien-Check: Haben Sie alle Bewertungskriterien explizit adressiert?
  • Formatprüfung: Entspricht das Dokument allen formalen Anforderungen (Seitenlimit, Schriftgröße, Vorlagen)?
  • Sprachprüfung: Ist der Text grammatikalisch korrekt und gut lesbar? Die meisten EU-Anträge werden auf Englisch eingereicht – lassen Sie den Text von einem Muttersprachler oder professionellen Übersetzer prüfen.

Externes Review einholen:

Für besonders wichtige oder große Anträge kann es sinnvoll sein, ein externes Review durch erfahrene EU-Gutachter oder spezialisierte Beratungsunternehmen durchführen zu lassen. Diese können wertvolles Feedback aus Evaluatorensicht geben und Schwachstellen identifizieren.

Technische Einreichung vorbereiten:

  • Registrierung aller Partner: Alle Konsortiumspartner müssen im Funding & Tenders Portal registriert sein und ihre Organisation validiert haben (PIC-Nummer). Dieser Prozess kann mehrere Tage dauern – beginnen Sie früh!
  • Einreichungssystem testen: Machen Sie sich rechtzeitig mit dem elektronischen Einreichungssystem vertraut. Laden Sie Testdokumente hoch, um technische Probleme zu vermeiden.
  • Deadlines genau beachten: EU-Deadlines sind absolute Fristen. Die Einreichung muss bis zum angegebenen Datum und Uhrzeit (meist 17:00 Uhr Brüsseler Zeit) abgeschlossen sein. Planen Sie einen Puffer ein – kurz vor der Deadline sind die Systeme oft überlastet.
  • Einreichung in mehreren Schritten: Laden Sie Teil B (das inhaltliche PDF-Dokument) frühzeitig hoch. Teil A (administrative Daten) kann bis zur Deadline bearbeitet werden.
  • Technische Anforderungen: Achten Sie auf die maximale Dateigröße, akzeptierte Dateiformate (meist PDF/A) und digitale Signaturen, falls erforderlich.

Häufige Fehler bei der Einreichung:

  • Fehlende oder unvollständige Partnerregistrierung
  • Verpasste Deadline aufgrund technischer Probleme in letzter Minute
  • Falsche oder fehlende Dokumente hochgeladen
  • Inkonsistenzen zwischen Teil A und Teil B
  • Nicht lesbare PDFs aufgrund falscher Konvertierung

Nach der Einreichung:

Nach erfolgreicher Einreichung erhalten Sie eine automatische Bestätigung mit einer Proposal-Nummer. Bewahren Sie diese gut auf. Nun beginnt die Wartezeit: Die Evaluierung dauert typischerweise 3-5 Monate, je nach Programm. Sie können den Status Ihres Antrags über das Portal verfolgen. In manchen Fällen werden Sie während der Evaluierung zu Nachfragen oder Präsentationen eingeladen.

Schritt 6: Nach der Einreichung – Evaluierung und Vertragsverhandlung

Auch nach der Einreichung ist Ihre Arbeit noch nicht beendet. Es lohnt sich zu verstehen, wie der Evaluierungsprozess abläuft und was im Erfolgsfall auf Sie zukommt.

Der Evaluierungsprozess:

EU-Anträge werden durch unabhängige Experten bewertet, die von der EU-Kommission aus einem Pool ausgewählt werden. Je nach Programm bewerten 3-5 Gutachter jeden Antrag anhand standardisierter Kriterien:

  • Excellence (Exzellenz): Qualität und Innovationsgrad des Projekts
  • Impact (Wirkung): Erwartete Effekte und Verwertungspotenzial
  • Implementation (Umsetzung): Qualität und Effizienz der Projektumsetzung

Jedes Kriterium wird auf einer Skala von 0-5 bewertet. Projekte müssen Mindestschwellen in jedem Kriterium und in der Gesamtbewertung erreichen, um gefördert zu werden. Die besten Anträge werden bis zur Ausschöpfung des verfügbaren Budgets ausgewählt.

Mögliche Ergebnisse:

  • Zusage zur Förderung: Herzlichen Glückwunsch! Sie erhalten einen Evaluation Summary Report (ESR) mit dem Feedback der Gutachter und werden zur Vertragsverhandlung eingeladen.
  • Reserve-Liste: Ihr Antrag wurde gut bewertet, aber das Budget ist erschöpft. Falls andere Projekte abspringen, könnten Sie nachrücken.
  • Ablehnung: Der Antrag hat die Schwellenwerte nicht erreicht. Der ESR gibt detailliertes Feedback zu den Schwachstellen – nutzen Sie dies für eine überarbeitete Einreichung in der nächsten Ausschreibung.

Grant Preparation und Vertragsverhandlung:

Im Erfolgsfall folgt die Grant Preparation Phase, die typischerweise 3-6 Monate dauert:

  • Klärung offener Fragen aus der Evaluierung
  • Anpassung des Budgets nach Vorgaben der Kommission
  • Prüfung der finanziellen und operativen Kapazität aller Partner (Financial Capacity Check)
  • Aushandlung des Grant Agreements
  • Abschluss des Consortium Agreements zwischen den Partnern

Erst nach Unterzeichnung des Grant Agreements kann das Projekt offiziell starten. Seien Sie darauf vorbereitet, dass zwischen Antragstellung und Projektbeginn oft 9-15 Monate vergehen können.

Praktischer Tipp: Auch bei Ablehnung ist nicht alles verloren. Das Feedback der Gutachter ist äußerst wertvoll. Viele erfolgreiche EU-Projekte sind im zweiten oder dritten Anlauf bewilligt worden, nachdem die Konsortien die Kritikpunkte adressiert haben. Lassen Sie sich nicht entmutigen und nutzen Sie das Lernen aus jeder Einreichung.

Fazit: Mit System zum Erfolg

Die Beantragung von EU-Fördermitteln ist zweifellos ein aufwendiger Prozess, der fundierte Vorbereitung, strategisches Denken und Ausdauer erfordert. Doch die Investition lohnt sich: EU-Förderungen bieten nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern auch Zugang zu internationalen Netzwerken, Prestige und die Möglichkeit, an der Spitze europäischer Innovation mitzuwirken.

Die wichtigsten Erfolgsfaktoren zusammengefasst:

  • Frühzeitig beginnen: Planen Sie mindestens 3-6 Monate für die Antragsvorbereitung ein.
  • Das richtige Programm wählen: Investieren Sie Zeit in die Programmauswahl – ein gut passendes Programm erhöht Ihre Chancen erheblich.
  • Starkes Konsortium aufbauen: Partner mit komplementären Stärken und EU-Erfahrung sind Gold wert.
  • Exzellenz zeigen: EU-Projekte müssen über das Übliche hinausgehen – seien Sie ambitioniert, aber realistisch.
  • Formalia ernst nehmen: Auch inhaltlich brillante Anträge scheitern an formalen Fehlern.
  • Professionelle Unterstützung nutzen: Erwägen Sie die Unterstützung durch erfahrene Berater, insbesondere beim ersten Antrag.

Die EU-Förderlandschaft entwickelt sich kontinuierlich weiter. Für den laufenden Förderzeitraum 2021-2027 hat die EU ihre Programme stark auf strategische Prioritäten wie den Green Deal, die digitale und grüne Transformation, technologische Souveränität und die Stärkung der europäischen Resilienz ausgerichtet. Wer seine Projekte in diesen Kontext einbetten kann, hat deutlich bessere Chancen. Für die Planungen des nächsten Rahmenprogramms ab 2028 werden diese Schwerpunkte voraussichtlich weiter an Bedeutung gewinnen.

Denken Sie daran: Jede erfolgreiche EU-Antragstellerin und jeder erfolgreiche Antragsteller hat einmal als Einsteiger begonnen. Mit dieser Anleitung, Engagement und Lernbereitschaft sind Sie auf dem richtigen Weg. Nutzen Sie auch die zahlreichen Unterstützungsangebote wie die National Contact Points (NCPs) in Deutschland, das Enterprise Europe Network oder spezialisierte Beratungseinrichtungen.

Viel Erfolg bei Ihrem EU-Förderantrag!

Checkliste: EU-Förderantrag Schritt für Schritt

Phase 1: Vorbereitung (3-6 Monate vor Deadline)

  • ☐ Relevante Förderprogramme identifizieren und Call-Dokumente studieren
  • ☐ Prüfen, ob Ihr Projekt und Ihre Organisation die Voraussetzungen erfüllen
  • ☐ Projektidee konkretisieren und europäischen Mehrwert herausarbeiten
  • ☐ Potenzielle Partner identifizieren und kontaktieren
  • ☐ Konsortium zusammenstellen und Rollen verteilen
  • ☐ Alle Partner im Funding & Tenders Portal registrieren (PIC-Nummer)

Phase 2: Antragserstellung (2-3 Monate vor Deadline)

  • ☐ Arbeitsplan mit Arbeitspaketen, Meilensteinen und Lieferobjekten erstellen
  • ☐ Budget für alle Partner detailliert kalkulieren
  • ☐ Inhaltliche Abschnitte (Excellence, Impact, Implementation) ausarbeiten
  • ☐ Erforderliche Anhänge zusammenstellen (CVs, Letters of Intent, etc.)
  • ☐ Grafiken und Visualisierungen erstellen
  • ☐ Entwurf des Konsortialvertrags vorbereiten
  • ☐ Datenmanagementplan erstellen (falls gefordert)

Phase 3: Qualitätssicherung (4-6 Wochen vor Deadline)

  • ☐ Interne Review-Runden durchführen
  • ☐ Externes Review einholen (optional, aber empfohlen)
  • ☐ Alle Evaluierungskriterien explizit adressiert prüfen
  • ☐ Konsistenz zwischen allen Abschnitten sicherstellen
  • ☐ Formale Anforderungen prüfen (Seitenlimit, Format, Schriftgröße)
  • ☐ Sprachliche Überarbeitung durch Muttersprachler (bei englischen Anträgen)
  • ☐ Barrierefreiheit der Dokumente prüfen

Phase 4: Einreichung (1-2 Wochen vor Deadline)

  • ☐ Finale Version von allen Partnern absegnen lassen
  • ☐ PDF/A-Dokument erstellen und auf Lesbarkeit prüfen
  • ☐ Teil B (inhaltliches Dokument) hochladen
  • ☐ Teil A (administrative Daten) im Portal ausfüllen
  • ☐ Alle Pflichtanhänge hochladen
  • ☐ Finale Konsistenzprüfung zwischen Teil A und B
  • ☐ Einreichung abschließen und Bestätigung speichern

Phase 5: Nach der Einreichung

  • ☐ Bestätigungs-E-Mail und Proposal-Nummer archivieren
  • ☐ Status regelmäßig im Portal überprüfen
  • ☐ Bei positiver Evaluierung: Grant Preparation Phase aktiv begleiten
  • ☐ Consortium Agreement finalisieren
  • ☐ Financial Capacity Check vorbereiten
  • ☐ Grant Agreement unterzeichnen und Projekt starten
  • ☐ Bei Ablehnung: Feedback analysieren und für nächste Einreichung nutzen
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